Rathaus-Turmuhr restauriert -
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 Rathaus-Turmuhr restauriert

Zeitungsbericht:

Seligenstädter Glockenfreunde haben Rathaus-Uhrwerk restaurieren lassen - Bald wieder einsatzbereit.
145 Jahre hat es überstanden, dem Zahn der Zeit getrotzt. Und wenn alles nach den Vorstellungen einer Gruppe engagierter Seligenstädter läuft, wird es in einigen Wochen oder Monaten wieder funktionsfähig sein.

Im Seligenstädter Rathausturm tickte einst das antike Uhrwerk, das in einer Klosterscheune entdeckt wurde und derzeit aufbereitet wird. Erstmals gezeigt wurde das Fundstück - noch unaufbereitet - beim diesjährigen Zunft- und Handwerkermarkt. Uhrmachermeister ist Michael Irlbacher (links). Foto: Karin Klemt 
In den Händen der Glockenfreunde Seligenstadt liegt die mechanische Wiedergeburt des ehemaligen Rathaus-Uhrwerks, das bis in die 1950er Jahre hinein im Turm des Verwaltungstempels annähernd ein Jahrhundert lang getreulich seinen Dienst verrichtete. Geht es nach Joachim Rühl, der die zerlegte Maschinerie in einem Lagerraum der ehemaligen Benediktiner-Abtei aufstöberte, wird das fachgerecht aufbereitete Relikt aus dem frühindustriellen Zeitalter wieder seinen Platz im öffentlichen Raum bekommen.
In Groß-Umstadt fertig gestellt
Damit den Zeitgenossen Tag und Nacht zuverlässig die Stunde schlage, hat ein Meister seines Faches in Groß-Umstadt die stabile Konstruktion anno 1867 fertig gestellt. Soviel wussten die Glockenfreunde, die sich des Fundstücks mit Unterstützung des Seligenstädter Uhrmachermeisters Michael Irlbacher annahmen, schon im Frühjahr. Ein vom Hersteller angebrachtes Messingschild identifiziert das Stück als Arbeit eines gewissen Johann Ritsert.
200 Kilo schwer und aus Messing
Laut Joachim Rühl, der die Teile beim Aufräumen in der Klosterscheune entdeckt hatte, wissen die Glockenfreunde inzwischen, dass Ritsert einer Umstädter Uhrmacher-Dynastie angehörte, deren Werkstatt mittlerweile im Freilichtmuseum Hessenpark bei Neu Ansbach besichtigt werden kann. Mit einem Gewicht von rund 200 Kilo und aus Messingguss gefertigt, gehöre die Apparatur zur mittleren von drei Größenklassen aus dieser Schmiede und zur oberen Qualitätskategorie.
Das Gewicht und die Ausmaße kennen die Glockenfreunde genau, weil es für den Fachmann Irlbacher offenbar ein Leichtes war, das Uhrwerk aus den Einzelteilen zusammen zu setzen. »Er brauchte nur ein paar Handgriffe«, erinnert sich Rühl. Damit war das Gerät auch schon präsentabel genug, um es dem Publikum beim Zunft- und Handwerkermarkt Ende Mai im Klosterhof vorzuführen.
Auch die jetzt laufende Aufarbeitung beschränkt sich nach Auskunft Rühls, der als frei schaffender Künstler gelegentlich selbst Metallobjekte gestaltet, weitgehend auf Reinigungsarbeiten: »Die Teile sind jetzt bei verschiedenen Seligenstädter Firmen und werden in Ultraschallbädern gesäubert«. Lediglich ein Zahnrad mit mehreren ausgebrochenen Zacken müsse nach dem Urteil des Uhrmachers ersetzt werden.
Spätgotische Ornamente
Dass die robuste Mechanik einst im Rathausturm tickte, unterliegt nach Worten Rühls aufgrund von Recherchen im Stadtarchiv keinem Zweifel mehr. Anfänglich haben nach seiner Aussage die spätgotischen Ornamente im Rahmen einen falschen Weg gewiesen: »Wir dachten, das passt in einen Turm der Basilika«. Dann habe sich aber herausgestellt, dass diese Art der Gestaltung quasi ein Markenzeichen des Meisters Ritsert gewesen sei. Demontiert, eingelagert und zeitweise vergessen wurde das Uhrwerk offenbar, als die Stadt Seligenstadt in den 50er Jahren eine damals moderne elektrische Apparatur einbauen ließ.
Tägliches Aufziehen
Bis dahin, so Rühl, musste die Rathausuhr täglich aufgezogen werden. »Das Uhrwerk arbeitete rein mechanisch mit drei Gewichten, die jeden Tag wieder hochgezogen werden mussten«. Eines habe die Uhr selbst in Bewegung gehalten, die beiden anderen die angebauten Schlagwerke - eines für den Viertelstundenschlag, eines für die volle Stunde.
Eine gleichlautende Beschreibung findet sich übrigens in der Seligenstädter Ortschronik von Franz Hell. Demnach wurde die Ritsert’sche Arbeit am 1. August 1867 in Betrieb genommen. Ansehnliche 800 Gulden hatte die Stadt damals immerhin ausgegeben, um die »seither unbrauchbare alte Uhr auf dem Rathausthurm« zu ersetzen. kko

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